Willkommen im Wasserschloss
Aistersheim
 

Das Wasserschloss Aistersheim
Funktion, Besitzer, Baugeschichte
Heinrich Birnleitner

 

Die Gründung des Wasserschlosses um 1150 geht auf den Minnesänger Dietmar von Aist zurück, dessen Familie aus dem heutigen Ried in der Riedmark stammte. Maßgeblicher Anstoß war offenbar die damalige vorübergehende Verwaltung des Herzogtums Bayern durch den babenbergischen Markgrafen Heinrich Jasomirgott. Oberösterreich westlich der Enns war damals bayerisch, Dietmar ein babenbergischer Ministeriale, Aistersheim sohin ein österreichischer Vorposten in Bayern. 1156 schob sich Österreich bis zum Hausruckkamm vor, mit Aistersheim fortan als Grenzbefestigung bis zum Erwerb des Innviertels 1779 im Friedensvertrag von Teschen.

In diesem Zeitraum und sogar darüber hinaus war Aistersheim mehrmals Ziel von Angriffen wie etwa 1471 seitens des Wolfgang von Schaunburg, der wohl die Hinwendung der Besitzer zu den Habsburgern mit der Zerstörung des Schlosses bestrafen wollte. Er wurde jedoch von Kaiser Friedrich III., dessen Burghauptmann in Enns der Bruder des Besitzers von Aistersheim, Georg von Hohenfeld, war, zum Schadenersatz verurteilt. Beschädigt wurde das Schloss auch im Juli 1620, als es im Zuge der Revolte der oberösterreichischen Stände und wegen der Verweigerung der Erbhuldigung an Kaiser Ferdinand II. nach achttägiger Belagerung von bayerischen Truppen erstürmt wurde.

1809 kam Aistersheim mit dem Innviertel nach der verlorenen Schlacht bei Wagram im Frieden von Schönbrunn bis 1814 an Bayern, nachdem sich dessen damaliger Besitzer Otto Adolf Graf Hohenfeld drei Monate zuvor in der für Österreich siegreichen Schlacht bei Aspern derart ausgezeichnet hatte, dass er als Major vom Juli 1809 gemeinsam mit Radetzky zum Feldmarschall befördert wurde. Dessen Schwester Ann war die Gemahlin des Fürsten Karl Philipp Schwarzenberg, eines Hauptgegenspielers Napoleons. Neben den Funktionen als Schlossherren eines Grenzstützpunktes an der Hauptverbindungsstraße zwischen den bis 1779 bayerischen Ried und dem österreichischen Wels, sowie als Diplomaten, Beamte am Kaiserhof und Soldaten sahen die Besitzer ihre Aufgabe im Schutz und in der Pflege des christlichen Glaubens. Dies zeigte sich darin, dass immer wieder Angehörige der Schlossbesitzerfamilie geistliche Berufe ergriffen, wie Hadmar von Aistersheim, Domherr in Passau. In der Zeit der Reformation war das Schloss ein Zentrum der Protestantismus. Achaz von Hohenfeld, der den Besitz 1568 bis 1603 innehatte, wurde als lutherischer Papst bezeichnet. Dessen Enkel Otto Achaz kehrte 1636 zur katholischen Konfession zurück und widmete sich in besonderer Weise der Förderung einer Reihe von ihm betreuter Kirchenwie der kunsthistorisch bedeutenden Pfarr- und Patronatskirchen von Aistersheim, der Filialkirche von Aistersheim, der Filialkirche in Höft sowie der Kirche in St. Michael in der Wachau, wo die damalige Herrschaft Aistersheim 20 ha Weinbaufläche besaß.  Im Laufe der 856 Jahre des Bestehens des Schlosses scheinen im Grunde genommen zwei Besitzerfamilien auf: von 1150 an die Familie der Aistersheimer, die im Jahre 1443 durch die Einheirat von Hanns Hohenfelder auf dessen Namen überging. 1830 kaufte Johann Carl Dworzak den Besitz von der damaligen Erbengemeinschaft, darunter die Fürstin Anna Schwarzenberg. Die derzeitige Besitzerin Elisabeth Birnleitner, geborene Korompay, Gattin des Botschafters Dr. Heinrich Birnleitner, war Erbin nach ihrer Tante Elisabeth Dworzak und kaufte Teile des Besitzes von Miterbinnen. Die Baugeschichte des Schlosses lässt sich weitgehend vom derzeitigen Erscheinungsbild ablesen. Aus der Zeit vor der Beschädigung im Jahre 1471 sind drei gotische Tore im Innenhof erhalten. Das vierte derartige Tor wurde später in das Pfleghaus integriert. Der gotische Bau wies einen quadratischen Grundriss auf. Im Zuge der im Renaissancestil erfolgten Wiederherstellung wurde das Schloss bergseitig verlängert mit dem Rittersaal, der Bibliothek und der Kapelle. Im Jahre 1603 erhielt das Gebäude mit dem zweistöckigen Arkadengang und den zwei Stiegenhäusern im Wesentlichen seine heutige Form.

Ab 1636 folgte die Barockisierung von Kapelle und Bibliothek. Nach einem Brand 1771 wurde der Uhrturm auf dem Nordtrakt im barocken Stil wiedererrichtet. Als interessant erweist sich auch die im Schlosspark gelegene Orangerie, derzeit als Atelier genutzt. 2004 wurde der Meierhof durch den Einbau von für die Vermietung bestimmten Wohnungen revitalisiert. Zuvor war für sämtliche vier Objekte des Schlossensembles ein Hackschnitzelfernwerk errichtet worden. Veranstaltungen im Schloss werden von zirka 30.000 Menschen pro Jahr besucht.

Wirtschaftliches Rückgrat ist nach wie vor der 380 ha umfassende land-, vor allem forstwirtschaftliche Betrieb. Rückblickend sohin auf eine lange Zeit des Bestehens der Wasserschlosses Aistersheim zeigt sich, dass dessen Besitzer beharrlich und auf bedeutsame Weise zum Werden des Landes Oberösterreich und zum Wohle ganz Österreichs beigetragen haben. Die architektonische Qualität ihres Familienbesitzes ist Ausdruck des durch die Jahrhunderte stets an sich selbst gestellten Anspruches.